Aktuelles und Presseberichte

Für die Wärmestube „voten“

Christophorus-Einrichtung stellt sich ab dem 14. September in der dm-Drogerie vor

Werben ab diesem Freitag in der dm-Drogerie in der Eichhornstraße für die Wärmestube (von links) Thomas Weber, Tabea Krug und Christian Urban. Bild: Günther Purlein

„Lachen“, „helfen“, „Nähe“ und „Offenheit“ steht in einem roten Herz auf dem Plakat, das ab diesem Freitag in der Filiale des dm-Drogeriemarkts in der Eichhornstraße für die Wärmestube wirbt. „Herz zeigen!“ wiederum nennt sich die deutschlandweite dm-Aktion, die anlässlich der „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ zum dritten Mal veranstaltet wird. Bis zum 22. September können dm-Kunden mit Herz-Kärtchen jeweils über zwei lokale Organisationen abstimmen.

 

Insgesamt 1.000 Euro fließen pro Drogeriemarkt in ein örtliches Projekt. Der Spendenpartner mit den meisten Stimmen erhält 600, der andere 400 Euro. Bei gleicher Stimmenzahl gehen je 500 Euro an beide Organisationen. „Das Geld können wir gut für eine neue Waschmaschine brauchen“, sagt Christian Urban, Leiter der Wärmestube. Zwei Waschmaschinen gibt es in der Einrichtung der ökumenischen Christophorus-Gesellschaft. Beide laufen ständig, denn viele jener Männer und Frauen, die in die Wärmestube kommen, haben kein eigenes Gerät. Entweder weil sie wohnungslos sind. Oder weil sie verarmt in schäbigen Unterkünften leben.

 

Dass eine Spende in Aussicht steht, kommt der Wärmestube sehr gelegen. Mindestens genauso wichtig ist es für Urban jedoch, dass die Einrichtung wieder einmal auf sich aufmerksam machen kann. Dies werden während der Aktionswoche Thomas Weber und Tabea Krug tun. Beide studieren Soziale Arbeit. In der Wärmestube sammeln sie derzeit praktische Erfahrungen. Was sie an diesem besonderen Ort in der Stadt schon alles erlebt haben und was die Qualität der Arbeit in der Wärmestube ausmacht, davon erzählen sie zwischen dem 14. und 22. September jeweils zur Mittagszeit zwischen 12 und 13.30 Uhr.

 

Zur Qualität der Arbeit gehört, dass allen Besucherinnen und Besuchern mit Respekt begegnet wird. Das hört sich erst einmal banal an. Doch jene Männer und Frauen, die in die Christophorus-Einrichtung kommen, haben schon zig Mal im Leben erfahren, wie es ist, abgewertet, verurteilt und ausgegrenzt zu werden. Zum Beispiel Bernd T. Der 55-Jährige ist alkoholkrank. „Aus diesem Grund verliert er immer wieder seine Arbeit“, sagt Tabea Krug, die mit Bernd T. regelmäßig „Kniffel“ spielt. Bernd T. weiß, dass es für ihn besser wäre, nicht zu trinken. Doch er schafft den Absprung nicht. Noch nicht. Vielleicht schafft er es in einem Jahr. Oder in zwei. Vielleicht aber auch nie.

 

Felix B. lebt seit wenigen Wochen auf der Straße. Seine Einnahmequelle versiegte, weshalb er seine Wohnung nicht halten konnte. Den Sommer über war es für ihn noch okay gewesen, draußen zu schlafen. Doch allmählich werden die Nächte kühler. Felix B. gibt dem Team der Wärmestube gegenüber zu, dass er Angst vor dem Winter hat. Immerhin weiß er, dass er jederzeit in die Wärmestube gehen kann. Wo es Kaffee gibt und etwas zu essen. Wo er sich duschen, rasieren und wo er seine Kleider waschen kann.

 

Das Team der Wärmestube zwingt niemanden, etwas zu tun, was der Betreffende nicht möchte. Auch wenn es auf der Hand zu liegen scheint, dass dies oder jenes unbedingt nötig wäre, um die eigenen Perspektiven auf eine Wohnung, einen Job oder auch auf eine tragfähige Beziehung zu verbessern. Auch Uwe T. wird nicht „missioniert“. Obwohl es dem 44-Jährigen sichtlich schlecht geht. Uwe T. nimmt Drogen. Und zwar alles, was er auftreiben kann. Anders hält er das Leben nicht aus. „Mehrmals schon war er auf Entzug“, erzählt Thomas Weber. Noch bevor es zur Entwöhnungstherapie ging, wurde Uwe T. wieder rückfällig.

 

So viel bedingungslose Unterstützung erfahren die Männer und Frauen fast nirgendwo sonst. Letztlich gibt es aber auch kaum Einrichtungen, die für diese Menschen gedacht sind. Deshalb tauchen sie nirgendwo anders auf. „Die meisten Bürger wissen gar nicht, dass es mitten unter uns solche Menschen gibt“, sagt Christian Urban. Weshalb Aufklärung so wichtig sei.

Günther Purlein