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Endlich angekommen

Robert Jakob Moritz tankt im Betreuten Wohnen der Christophorus-Gesellschaft auf

Henrike Helmsen trifft sich alle zwei Wochen mit Robert Jakob Moritz zum Gespräch. Bild: Günther Purlein

Welcher Genuss: Fernsehen, ganz allein. Anschauen, was man mag. Schlafen, ohne dass ein anderer durch sein Schnarchen nervt. Sicher sein. Bleiben dürfen. Nach fast 40 Jahren ohne eigenes Dach über dem Kopf hat Robert Jakob Moritz endlich eine feste Bleibe. Im Februar zog der Mann ins Betreute Wohnen der Christophorus-Gesellschaft. Bis dahin hatte der 60-Jährige jede Woche in einer anderen Stadt in einer Einrichtung übernachtet. Das wäre inzwischen allein aus gesundheitlichen Gründen unmöglich.

 

Robert Jakob Moritz hat es in der letzten Zeit ziemlich gebeutelt. Vor etwa zehn Jahren erhielt er eine künstliche Hüfte. Dann begann das Herz Probleme zu bereiten. Vor zwei Jahren wurde Moritz mit Herzinfarkt in eine Würzburger Klinik eingeliefert. Von dort nahm er sofort Kontakt zur Zentralen Beratungsstelle für Wohnungslose (ZBS) der Christophorus-Gesellschaft auf: „Denn ich war zu diesem Zeitpunkt nicht krankenversichert.“ Das ZBS-Team kümmerte sich darum, dass Moritz wieder in die Versicherung kam. „Oft sind wir damals zu Herrn Moritz in die Klinik gegangen, um ihm den Tagessatz auszuzahlen“, erinnert sich ZBS-Leiter Michael Thiergärtner.

 

Robert Jakob Moritz ist ein besonderer Klient der Beratungsstelle. Seit genau 35 Jahren sucht der gebürtige Frankfurter regelmäßig die Einrichtung auf. „Jeden Monat kam ich für mehrere Nächte in die Kurzzeitübernachtung“, erzählt der ehemals Wohnungslose, der fast vier Jahrzehnte lang im gesamten süddeutschen Raum unterwegs war. Moritz kennt viele Städte. Er war oft in Stuttgart, in Fulda oder Heidelberg. Als er das Umherziehen aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, entschloss er sich, in Würzburg ein sesshaftes Leben zu beginnen: „Denn ich wusste, dass man mir bei der Christophorus-Gesellschaft helfen würde.“

 

Robert Jakob Moritz hat nicht mehr viele Wünsche. Er, der es in jungen Jahren genoss, frei von Stadt zu Stadt zu ziehen, möchte jetzt vor allem eines: Ruhe haben. Ungestört sein. Er liebt es, sich manchmal etwas Leckeres zu kochen. Vielleicht hat er irgendwann auch mal wieder Muße zum Lesen. Auch die Besuche von Henrike Helmsen, seiner Betreuerin, findet er sehr angenehm. Ansonsten hat der herzkranke Jungsenior nur einen Wunsch: „Ich möchte 65 werden.“

 

Insgesamt acht Männer werden derzeit im Betreuten Wohnen der Christophorus-Gesellschaft unterstützt. „Bei zwei Dritteln handelt es sich um Haftentlassene“, sagt Thiergärtner. Manchmal wechselt auch ein ehemals Wohnungsloser aus dem Johann-Weber-Haus der Christophorus-Gesellschaft ins Betreute Wohnen. Manchmal wird ein Klient der Zentralen Beratungsstelle aufgenommen.

 

Ziel der Maßnahme ist es, dass sich die Männer, hinter denen oft ein chaotisches Leben liegt, im Laufe eines Jahres stabilisieren. Dass sie lernen, einen Haushalt zu führen. Ihre Geldangelegenheiten zu regeln. Und, sofern sie arbeitsfähig sind, einen Job finden. Ungebrochen schwierig bleibt es, vom Betreuten ins eigenständige Wohnen zu wechseln. Thiergärtner: „Denn der Wohnungsmarkt ist nach wie vor sehr angespannt.“ Erst kürzlich verließ ein Mann das Betreute Wohnen, der fünf Jahre lang auf Wohnungssuche war: „Er fand nichts, obwohl er in den letzten drei Jahren einer regelmäßigen Arbeit nachging.“

 

Robert Jakob Moritz hat Glück. Er kann die Wohnung, in der er seit Februar lebt, übernehmen. Muss sich also nach Auslaufen des Betreuten Wohnens nicht nach einer neuen Bleibe umschauen. „Und selbst danach“, so Michael Thiergärtner, „kann Herr Moritz immer zu uns kommen, wenn irgendetwas ansteht.“ Günther Purlein