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Kein leichter Job: Sozialarbeit

Würzburger Christophorus-Gesellschaft bemüht sich um aktive Burnout-Prävention

Manager, Lehrer, Polizisten – in vielen Berufen kann es zum Burnout kommen. Betroffen ist vor allem auch der soziale Sektor. Hier gesellt sich zum permanenten Aufgabenzuwachs der Umgang mit zunehmend schwierigeren Klienten. Der Christophorus-Gesellschaft, Trägerin von Einrichtungen der Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe in Würzburg, ist es deshalb wichtig, Burnout durch Prävention und eine gute Unternehmenskultur zu verhindern.

 

Die Christophorus-Gesellschaft tut eine Menge, damit sich die in der Bahnhofsmission, der Wärmestube oder der Zentralen Beratungsstelle engagierten Haupt- und Ehrenamtlichen wohlfühlen. Das fand Ingrid Lupsa in ihrer Bachelorarbeit über das Betriebliche Gesundheitsmanagement der gemeinnützigen GmbH heraus. Die meisten Beschäftigten, so die Kernbotschaft ihrer Studie, schätzen was ihr Arbeitgeber tut, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor ungesundem Stress zu schützen.

 

So wurde die Kommunikation im Unternehmen ganz überwiegend als „sehr gut“ bewertet. Allein das bedeutet Burnout-Prophylaxe, gilt doch eine schlechte Unternehmenskommunikation als ein Hauptfaktor für Burnout. Beschäftigte möchten über wichtige Entscheidungen in Kenntnis gesetzt werden und mitsprechen dürfen. Gleichzeitig möchten sie äußern dürfen, wenn Probleme am Arbeitsplatz auftauchen. All dies ist in der Christophorus-Gesellschaft möglich.

 

Lupsa fand weiter heraus, dass Wünsche bei der Dienstplangestaltung fast immer erfüllt werden. Auch können die meisten Beschäftigten regelmäßig Pausen einlegen und diese ohne Störung verbringen. Über 60 Prozent der Befragten äußerten anonym zufrieden oder gar sehr zufrieden mit ihrem Arbeitgeber zu sein.

 

Dass Beschäftigte in psychosozialen Berufen immer stärker gefordert werden, bestätigt Brigitte Abt, Leiterin des Johann-Weber-Hauses, das Wohnungslose soziotherapeutisch unterstützt. „Unser Klientel wird immer anspruchsvoller“, so die Sozialpädagogin. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass es das Johann-Weber-Haus mit immer jüngeren Menschen zu tun hat, die mit vielschichtigen Problemlagen in die Einrichtung kommen.

 

Abt zufolge wird es schwieriger, das Vertrauen dieser Klienten zu gewinnen. Denn die haben oft sehr schlechte Erfahrungen mit ihren Mitmenschen gemacht. Zum anderen ist das Team stärker als früher gefordert kontrollierend einzugreifen, denn den jungen Männern fällt es schwer, Disziplin aufzubringen. „Unsere Klienten wünschen bei Problemen zudem, dass sie diese möglichst sofort ansprechen können und eine Lösung erhalten“, schildert Abt.

 

Oft hat es das Team auch mit Personen zu tun, die ihre „innere Leere“ nicht aushalten. „Diese Leere will man ganz schnell auffüllen und kompensieren“, schildert Abt. Sozialarbeiter müssten stark aufpassen, dass sie von der wachsenden Anspruchshaltung nicht verschlissen werden.

 

Um psychisch gesund zu bleiben hält es die Einrichtungsleiterin für wichtig, das, was am Arbeitsplatz geschieht gemeinsam zu reflektieren, sich mit Kollegen auszutauschen, Supervision wahrzunehmen und eine Pausenkultur zu etablieren. Durch flache Hierarchie, Familienfreundlichkeit und Transparenz bemüht sich die Christophorus-Gesellschaft laut Abt darum, arbeitsbezogene Belastungen zu reduzieren. „Hinzu kommt der Zusammenhalt unter den Kollegen und das Bewusstsein, dass man sich gegenseitig braucht und schätzt“, so die Sozialarbeiterin.

 

Abts Kollege Christian Urban, der die Wärmestube leitet, bestätigt, dass das Feld der Sozialen Arbeit zunehmend schwieriger wird. „Unsere Besucher stellen das haupt- und ehrenamtliche Team aufgrund verschiedenster psychischer Störungen vor sehr große Herausforderungen“, erklärt der Sozialpädagoge. Auch Urban hält Fortbildung und Supervision für unabdingbar, um den Umgang mit den immer schwierigen Adressaten der Wärmestube gut zu bewältigen. An der Christophorus-Gesellschaft als Arbeitgeber schätzt er vor allem die Flexibilität: „Ich kann Beruf und Familie hier sehr gut vereinbaren.“

 

Werner Schühler kümmert sich innerhalb der Christophorus-Gesellschaft um Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt gerieten. Auch hier wird die Arbeit komplizierter, so der Leiter der Zentralen Beratungsstelle für Straffällige: „Die jungen Männer, die zu uns kommen bringen immer mehr Probleme mit.“ Viele konsumieren Alkohol, Kräutermischungen, Chrystal Meth oder andere illegale Drogen: „Was sich auf ihre Persönlichkeit und ihr Verhalten auswirkt und gesundheitliche Probleme verursacht.“ Diese Menschen seien deshalb schwer zu begleiten. Suchtdruck wiederum führe oft zu Beschaffungskriminalität, Verschuldung und dem Zerbrechen von Beziehungen.

 

Hinzu kommt, dass es Sozialarbeiter in der Straffälligenhilfe zunehmend mit Menschen aus anderen Kulturkreisen zu tun haben. Schühler begleitet aktuell zum Beispiel einen Pakistani und einen Kubaner im ambulant betreuten Wohnen: „Zudem berate ich immer mehr Menschen aus Osteuropa.“ Selbst bei guten Sprachkenntnissen bedeute es einen hohen Aufwand, das Hilfesystem in Deutschland zu erklären.

 

Ein funktionierendes Team hält Schühler für das A und O, um mit gleichbleibender Motivation Menschen zu helfen, ein Leben ohne Delikte führen zu können. In der Christophorus-Gesellschaft habe er ein solches Team. Außerdem dürften Problematiken benannt werden: „Gemeinsam suchen wir nach Lösungen.“

 

Ohne ein gutes Team, das sensibel und motiviert ist, wäre auch die Arbeit in der Bahnhofsmission nicht zu leisten, ergänzt Michael Lindner-Jung, der für die Einrichtung am Hauptbahnhof verantwortlich ist. Nicht zuletzt an diesem Brennpunkt zeigt sich, dass Sozialarbeiter immer stärker gefordert werden. Vielen Besuchern der Bahnhofsmission geht es Lindner-Jung zufolge sehr schlecht: „Doch sie haben keinen Willen, ihre Situation zu verändern.“

 

Selbst wenn die Lebensumstände äußerst kritisch sind, vermögen es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oft nicht, in Hilfe zu vermitteln. Das belastet diejenigen, die mit den Besuchern arbeiten. Zeit sich auszutauschen und Verschnaufpausen sind laut Lindner-Jung unabdingbar, um den Belastungen standzuhalten. Am Arbeitsplatz Bahnhofsmission sei dies auch sehr gut möglich.

Günther Purlein