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Licht, Kraft und Mut tanken

Chor Maranatha sorgt für reichen Spendensegen für die Würzburger Bahnhofsmission

Es ist dunkel. Trist. Kalt. Vielen Menschen schlägt die Novemberstimmung aufs Gemüt. Gut, sich jetzt einen heißen Tee zu gönnen. Die Wohnung zu wärmen. Kerzen anzuzünden. Menschen, die keine Wohnung und kein Geld haben, können sich nicht so einfach mit Licht und Wärme verwöhnen. Ihnen hilft die Bahnhofsmission. Deren Förderverein sammelte unter dem Leitthema „Neues Licht“ bei einem Benefizkonzert mit dem Chor Maranatha Spenden für die Einrichtung der Christophorus-Gesellschaft.

 

Die Kirche St. Josef in Würzburg, wo das Konzert am Sonntag stattfand, war nahezu voll besetzt. Der Chor aus Buchen trat hier vor fünf Jahren schon einmal für den Förderverein der Würzburger Bahnhofsmission auf. Vielen Fans des Neuen geistlichen Lieds waren die über 100 Sängerinnen und Sänger, die mit einer eigenen Band auf Tournee gehen, noch in bester Erinnerung. Auch diesmal wurden die Zuhörer nicht enttäuscht. Maranathas Lieder bewegen. Nach langanhaltendem Applaus gab es begeistert aufgenommene Zugaben. Die Spendenkörbchen füllten sich rasch: Rund 2.800 Euro nahm der Förderverein durch die Benefizveranstaltung ein.

 

Spenden zu sammeln war allerdings nicht das einzige Ziel des Konzerts. Die Bahnhofsmission wollte in der dunklen Zeit vor Weihnachten auf Menschen aufmerksam machen, deren Lebensgefühl, so Einrichtungsleiter Michael Lindner-Jung, unabhängig von der Jahreszeit, „schattig“ ist. Diese Menschen, ergänzte Lindner-Jungs Kollegin Anna Reus, kommen zum Beispiel nicht über den Verlust eines nahen Menschen hinweg: „Andere zweifeln an sich selbst oder fühlen sich völlig allein gelassen.“ Innere und äußere Heimatlosigkeit, Traurigkeit und Dunkelheit prägen Reus zufolge die Arbeit der Bahnhofsmission.

 

Mehr als 46.000 Mal wurde die Einrichtung im vergangenen Jahr aufgesucht. Das sind umgerechnet 120 Kontakte am Tag und in der Nacht. Was zeigt: Materielle Armut und soziale Not sind in unserer reichen Gesellschaft längst keine Randprobleme mehr.

 

Neben armen Menschen finden Frauen, die vor Gewalt in ihrer Partnerschaft fliehen müssen, in der Einrichtung am Würzburger Hauptbahnhof Schutz und Unterkunft. Auch psychisch erkrankte Männer und Frauen treffen sich seit mehreren Jahren gehäuft in der Bahnhofsmission. Daneben wenden sich etliche Menschen an die Anlaufstelle, die durch alle Maschen des sozialen Netzes gefallen sind. „Diese Menschen würden sich so sehr einen Platz unter uns wünschen“, so Reus.

 

Auch wenn sich viele der Besucherinnen und Besucher in existenziellen oder sozialen Ausnahmesituationen befinden – so anders als jene Menschen, die sich in St. Josef an Songs wie „Du bist das Licht“ von Popstar Gregor Meyle labten, sind sie gar nicht. Jeder Mensch hat mitunter Schwierigkeiten, seinen Weg in der Welt zu finden oder den eingeschlagenen Weg fortzusetzen, so Studentin Mariam Kahloul, die sich derzeit als FH-Praktikantin in der Bahnhofsmission engagiert. Auch in ihrem eigenen Leben habe es schon „Zeiten der Dunkelheit“ gegeben, bekannte die Muslima.

 

Impulse und Nachdenkliches gab es an diesem Abend nicht nur vom Team der Bahnhofsmission. Auch die Mitglieder von Maranatha sorgten zwischen den Liedern für Denkanstöße – was das Konzert zu einem besonderen Erlebnis machte. Dabei wurde deutlich, dass sich die Sängerinnen und Sänger mit der Bahnhofsmission gut identifizieren können.

 

Chorleiter Jochen Schwab beschäftige sich vor fünf Jahren im Vorfeld des letzten Würzburger Konzerts erstmals genauer mit den Aufgaben der Bahnhofsmission. Ihn begeistert das große Engagement von Bahnhofsmissionsleiter Michael Lindner-Jung und seinem Team für Menschen, die sich sozial, seelisch oder körperlich in einer schwierigen Lage befinden: „Dieses Engagement ist einfach sehr überzeugend.“ Er schätze es sehr, so Schwab, dass es in der Bahnhofsmission Menschen gebe, die sich Zeit für Schwache nehmen und Hilfsangebote vermitteln.

 

Alle Menschen können dem Dirigenten zufolge einmal in die Lage kommen, Hilfe von der Bahnhofsmission annehmen zu müssen. „Erst vor wenigen Tagen berichtete eine unserer Sängerinnen, dass sie das Umsteigen zwischen zwei Zügen in Würzburg mit ihrem Bruder im Rollstuhl nur mit Hilfe der Bahnhofsmission meistern konnte“, erzählte er. Auf jede Art Notlage rund um den Bahnhof werde bei der Bahnhofsmission reagiert. Helmut Fries