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Wo Ökumene gelebt wird

In der Christophorus-Gesellschaft kooperieren Katholiken und Protestanten

Es gibt einige Punkte, bei denen evangelische und katholische Christen auseinanderliegen. Daneben existieren aber auch etliche Gemeinsamkeiten. Neben dem verbindenden Glauben ist dies vor allem der Einsatz für soziale Gerechtigkeit. Für die stehen wir gemeinsam. Auf Basis vieler Gemeinsamkeiten wurde am 17. April 2000 die ökumenische Christophorus-Gesellschaft in Würzburg ins Leben gerufen.

 

Jede einzelne Einrichtung der gemeinnützigen GmbH verdeutlicht, dass evangelische und katholische Christen mehr verbindet als trennt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der konfessionell gemischten Teams, die in der Wärmestube, der Bahnhofsmission, der Zentralen Beratungsstelle oder der Schuldnerberatung arbeiten, verstehen das, was sie tun, mehr als Berufung denn als Beruf. Sie setzen sich für wohnungslose und straffällig gewordene Menschen ein, weil sie möchten, dass diese faire Chancen auf einen Neuanfang bekommen.

 

Weil in der Christophorus-Gesellschaft Ökumene lebendig ist, war das Sozialunternehmen im Jahr 2007 auch Gastort des Wandernagelkreuzes der ökumenischen Friedensinitiative „Nagelkreuzzentrum Würzburg“. Am 16. März 2007 wurde das Nagelkreuz vom Mahnmal am Hauptfriedhof zur Bahnhofsmission getragen. Dort fand es seinen Platz auf der Theke.

 

„Wir sind gelebte Ökumene“, wird Günther Purlein, Leiter der Christophorus-Gesellschaft, nicht müde zu betonen. Wie wichtig es ihm ist, die Ökumene voranzubringen, verdeutlichte der Chef des Sozialunternehmens im Jahr 2010 durch die Teilnahme der Christophorus-Gesellschaft am 2. Ökumenischen Kirchentag in München, „wo wir die Diözese Würzburg vertreten durften“. Unter dem Motto „Gut aufgefangen“ warf das Team der Gesellschaft Besuchern des Kirchentags Softbälle zu. Das brachte mühelos in Kontakt und veranlasste nicht zuletzt auch Gespräche rund um das Thema Ökumene.

 

In einer Zeit, in der sich die Kirche vor zahlreiche gesellschaftliche Veränderungen gestellt sieht, ist es mehr als notwendig, Aufgaben und Projekte gemeinsam anzupacken. Anders würde es auch immer schwieriger, mit den vorhandenen Geldern auszukommen. Bei der Christophorus-Gesellschaft bringen sich Caritas und Diakonie finanziell ein und kämpfen gemeinsam dafür, dass die ökumenischen Dienste und Anlaufstellen im notwendigen Umfang erhalten bleiben. Dies geschieht seit nunmehr über 40 Jahren in Form von Arbeitsgemeinschaften und seit 17 Jahren mit großem Erfolg in der Christophorus GmbH.

 

Bemerkenswert ist, dass es in der Christophorus-Gesellschaft Sozialeinrichtungen gibt, die bereits eine sehr lange ökumenische Tradition aufweisen. Bestes Beispiel ist die Bahnhofsmission. 1898 begann der katholische Mädchenschutzverein, sich um junge Frauen zu kümmern, die aus den Dörfern nach Würzburg kamen, um in der Stadt Arbeit zu suchen. Dieses Jahr gilt als Geburtsstunde der Bahnhofsmission. 1899 nahmen sich die evangelischen „Freundinnen junger Mädchen“ dieser Aufgabe an. Das erste Büro, das die Bahnhofsmission 1925 unterhielt, war ein ganz und gar ökumenisches Projekt: Katholische und evangelische Helferinnen wechselten sich in ihrem Dienst ab.

 

Bis heute wird der Gedanke der Ökumene gerade in der Bahnhofsmission beispielhaft umgesetzt. An der Spitze der Einrichtung steht mit Michael Lindner-Jung ein katholischer Theologe. Das konfessionell gemischte Ehrenamtsteam versteht sich als eine große „Familie“. Egal, ob die Triebkraft aus einer katholischen oder evangelischen Glaubensvorstellung kommt: Alle ziehen an einem Strang und tun ihr Bestes, um Menschen, die sich in prekären Lebenslangen befinden, Hoffnung zu machen und Perspektiven aufzuzeigen.

 

Wobei sich auch Männer und Frauen, die keiner christlichen Konfession angehören, für die Ehrenamtsarbeit in der Bahnhofsmission interessieren. In einem aktuellen Projekt werden Flüchtlinge ermutigt, sich als Freiwillige einzubringen. Hierzu wurde eine eigene Ausbildung konzipiert, die nicht zuletzt auf kulturelle und religiöse Aspekte der Arbeit in der ökumenischen Bahnhofsmission eingeht.

 

Günther Purlein